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Die Suche nach dem wahren Ich

Das ist meine Geschichte


Ich bin Diana, und so werde ich seit mehr als 39 Jahren genannt. Ich blicke auf ein bewegtes, aufregendes, schmerzhaftes und zugleich sehr glückliches Leben zurück. Meine Reise begann im Sudan, wo ich geboren wurde. Schon in jungen Jahren zog es uns nach Deutschland. Doch bevor wir umzogen, lebte ich bei meiner Großmutter, die mir mehr am Herzen lag als meine eigene Mutter. Erst in Deutschland lernte ich meine Mutter richtig kennen. Meine Kindheit war geprägt von einem Gefühl des Angekommenseins, obwohl die Erinnerungen daran verblasst sind.


Als junges, schwarzes Mädchen in Deutschland habe ich nie das Gefühl gehabt, anders zu sein. Ich erlebte eine herzliche Aufnahme in meiner Schulklasse. Meine Lehrerin und meine Mitschüler halfen mir, die deutsche Sprache zu lernen, und ich fühlte mich als Teil der Gemeinschaft, auch wenn ich nicht immer alles verstand.


Später zog meine Familie nach Kiel, und diese Stadt wurde mein Zuhause. Es war ein Ort, an dem ich mich wohlfühlte und die meiste Zeit meines Lebens verbrachte.


Das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen war jedoch oft verwirrend. Meine Eltern betonten die Bedeutung der Integration in die deutsche Kultur, während sie gleichzeitig unsere sudanesischen Wurzeln hochhielten. Es war ein ständiger Balanceakt, der mich bis heute begleitet. Bin ich Deutsche oder Sudanese? Die Antwort darauf habe ich bis heute noch nicht wirklich gefunden. Ich fühle mich gefangen zwischen diesen beiden Welten. Dieses Gefühl der kulturellen Zerrissenheit wurde besonders deutlich, als ich mit meiner Mutter und meinem kleinen Bruder drei Wochen in Ägypten verbrachte. Obwohl wir Arabisch sprechen, fühlte ich mich dort fremd. Mein Arabisch war nicht besonders gut, und ich fühlte mich wie eine Touristin, während meine Mutter sich dort heimisch fühlte.


Als ich nach Deutschland zurückkehrte, begann ich, meine Identität in Frage zu stellen. Besonders in meinem Teenie-Alter verfolgte mich die Frage, wer ich bin und wohin ich gehöre. Dieses Gefühl wird besonders stark bei größeren internationalen Ereignissen, wie jetzt der EM, wenn die Nationen gegeneinander antreten. Vielleicht finde ich es leichter, mich als “Erdenmensch” zu fühlen, statt einer bestimmten Nation zugehörig zu sein.


Es war, ehrlich gesagt, erst während meiner Yoga-Ausbildung, dass mir langsam bewusst wurde, dass es mir gar nicht darum geht, woher ich komme, ob ich Afro-Deutsche, Deutsche oder Sudanesin bin. Die Frage, die mich wirklich beschäftigt, ist nicht, woher ich komme, sondern wer ich bin. Ich hatte ja für mich einen Ort gefunden, wo ich mich zu Hause fühlte, aber die Frage, wer ich bin, was ist davon ich und was ist das, was ich mir abgeguckt habe, was ich draußen gesehen habe, welches Bedürfnis bin ich? Das ist die Frage, die mich immer beschäftigt hat.


In der Yoga-Ausbildung wird diese Frage häufig gestellt: Was bin ich? Bin ich mein Körper? Bin ich die Stimme, die ich höre? Bin ich meine Gefühle? In der Meditation und Yoga-Philosophie wird oft gesagt, dass das, was du bist, etwas Unveränderliches ist, etwas, das schon immer da war und immer bleiben wird. Mit der Zeit und Reflexion erkenne ich, dass ich eigentlich nicht auf der Suche nach meinem Herkunftsort war, sondern nach meiner Identität.



Es ist spannend zu fragen: Wer bin ich? Und natürlich, mit 39 stellt man diese Frage wieder einmal. Wer bin ich? Als Frau verändert sich vieles im Leben ständig. Da gibt es die Anfangsveränderungen, wenn der Körper sich verändert und man vom Kind zur Frau wird. Dann gibt es die Veränderungen, wenn man von einer Frau zur Mutter wird und Kinder bekommt. Natürlich nicht bei jeder Frau, aber so war es bei mir. Und wieder verändert sich der Körper, alles ist irgendwie anders. Man hat eine neue Rolle dazu bekommen. Man versucht die Aufgaben so gut wie möglich zu erfüllen. Und auf einmal werden die Kinder (langsam) größer und die Rolle wandelt sich erneut. Diese Veränderungen sind nicht nur geistig, sondern auch körperlich und lassen uns immer wieder die Frage stellen: Wer bin ich? Wo möchte ich hin? Es ist irgendwie immer mit Zweifeln und Verunsicherungen verbunden. Ist das alles im Leben? Was oder wer bin ich, wenn die Kinder mich nicht mehr brauchen? All diese Fragen sind manchmal nur ein Teil des Problems. Und wir alle fragen uns vielleicht nur: Wer bin ich? Unabhängig von all unseren Rollen. Mutter, Ehefrau/Freundin, Tochter, Schwester? Das ist die Reise, die wir alle beginnen, irgendwann früher oder später.


Im Yoga fühle ich mich Zuhause, weil ich endlich mich mit meinem wahren Ich auseinandersetzen kann. Es lehrt mich täglich, im Einklang zu bleiben, trotz oder vielleicht gerade wegen der verschiedenen kulturellen Einflüsse. Es hilft mir, mich selbst zu spüren und gibt mir die Möglichkeit, mich selbst besser zu verstehen. Yoga hat mich gelehrt, dass alles immer wieder im Wandel ist, und deshalb ist es wichtig, die innere Ruhe zu finden. Diese innere Ruhe möchte ich auch meinen Schülern vermitteln, unabhängig von ihrer Herkunft oder Kultur.


Das bin ich – Diana, eine Afro-Deutsche und Kielerin, die sich in der Welt ihren Platz gesucht hat und als Yogalehrerin Brücken zwischen verschiedenen Kulturen baut.

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